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Inhaltsverzeichnis
STARTER
KIT FÜR ANGEHENDE VEGETARIER
4. Der Eiweißmythos
In der Vergangenheit glaubte man
vielfach, man könne niemals
genug Protein zu sich nehmen. Im frühen 20. Jahrhundert predigte
man
Amerikanern weit über 100 g Eiweiß täglich durch die
Nahrung aufzunehmen und
noch in den 1950er Jahren ermunterte man Gesundheitsbewusste zu einer
erhöhten
Eiweißzufuhr. Heutzutage ist es „in“, dass manche
Diätbücher eine eiweißreiche
Ernährung zum Zwecke des Gewichtsverlusts propagieren, obwohl in
den USA
tendenziell bereits doppelt soviel Eiweiß aufgenommen wird wie
erforderlich.
Und während Einzelne, die eine solche Diät befolgen,
kurzzeitigen Erfolg bei
der Gewichtsabnahme verzeichnen konnten, sind ihnen die
Gesundheitsrisiken, die
mit einer proteinreichen Ernährung einhergehen, oftmals nicht
bewusst. Eine
übermäßige Eiweißaufnahme wird mit Osteoporose,
Nierenerkrankungen,
Kalziumsteinen in Niere, Harnleiter und Blase sowie einigen Krebsarten
in
Verbindung gebracht.
Die Bausteine des Lebens
Der menschliche Körper bildet das
Protein aus Aminosäuren,
die er wiederum aus den Proteinen bezieht, die er durch die Nahrung
aufnimmt.
Eine vielseitige Kost aus Bohnen, Linsen, Getreide und Gemüse
enthält alle
essenziellen Aminosäuren. Man dachte früher, dass man
verschiedene pflanzliche
Nahrungsmittel zusammen verzehren müsse, um ihren vollen
Proteinwert zu
erhalten, jedoch lassen aktuelle Forschungsergebnisse darauf
schließen, dass
dies nicht der Fall ist. Viele Ernährungsinstitute,
einschließlich der
Amerikanischen Diätetischen Vereinigung (American Dietetic
Association) sind
der Meinung, dass man den Eiweißbedarf durch den Verzehr
vielfältiger
Nahrungsmittel als Quellen für Aminosäuren über den
ganzen Tag decken kann.
Auch ist die Kalorienaufnahme in ausreichender Anzahl von großer
Bedeutung für
die beste Proteinverwertung durch den Körper (1).
Das Problem der exzessiven Eiweißaufnahme
Die durchschnittliche amerikanische (und
europäische)
Kost enthält Fleisch und Milchprodukte. Hieraus folgt, dass sie zu
eiweißreich
ist. Dies kann zu einer Reihe ernsthafter gesundheitlicher Probleme
führen:
- Nierenerkrankungen: Wenn der Mensch zu viel
Protein
zu sich nimmt, wird mehr Stickstoff aufgenommen als benötigt wird.
Dies
bedeutet eine Belastung für die Nieren, die den zusätzlichen
Stickstoff durch
den Urin ausscheiden müssen. Personen, die an Erkrankungen der
Niere leiden,
sollten daher eine eiweißarme Kost bevorzugen (2). Eine solche
Kost reduziert
die überschüssige Stickstoffkonzentration und kann
darüber hinaus auch zur
Prävention von Nierenerkrankungen beitragen.
- Krebs: Obwohl meistens unter den
Nahrungsmittelinhaltsstoffen die alleinige Schuld für ein
erhöhtes Krebsrisiko
dem Fett zugesprochen wird, ist auch Eiweiß von Bedeutung.
Bevölkerungsgruppen,
die regelmäßig Fleisch verzehren, haben ein gesteigertes
Darmkrebsrisiko (3)
und Forscher vermuten, dass neben Fett auch Eiweiß,
natürliche Karzinogene
sowie die fehlenden Ballaststoffe im Fleisch allesamt eine Rolle
spielen. 1982
entdeckte das National Research Council eine Verbindung zwischen Krebs
und
Protein (4).
- Osteoporose und Nierensteine: Bei einer Kost,
die
viel Protein - insbesondere Protein tierlicher Herkunft (5) -
enthält, wird
mehr Kalzium als gewöhnlich mit dem Urin ausgeschieden (6) und das
Risiko für
Osteoporose steigt. Länder mit eiweißärmeren Kostformen
verzeichnen geringere
Raten für Osteoporose und Hüftfrakturen (7).
Durch eine erhöhte
Kalziumausscheidung steigt das Risiko für
Nierensteine. Englische Forscher fanden heraus, dass durch eine
Mehraufnahme
von ca. 140 g Fisch (etwa 34 g Protein) zusätzlich zur
gewöhnlichen Kost, sich
das Risiko für die Bildung von Harnsteinen um nicht weniger als
250 Prozent
erhöhte (8).
Lange Zeit dachte man, dass Athleten
mehr Protein als andere
Personen benötigten. Die Wahrheit ist, dass Sportler nur
geringfügig mehr
Protein brauchen, das sie mühelos aus den größeren
Verzehrsmengen, die Athleten
zur Deckung ihres erhöhten Kalorienbedarfs benötigen,
beziehen können.
Vegetarische Kost ist eine großartige Ernährungsform
für Athleten. Um mit der
Nahrung genügend - jedoch nicht zuviel - Protein aufzunehmen, kann
man einfach
Produkte tierlicher Herkunft mit Getreide, Gemüse,
Hülsenfrüchten (Erbsen,
Bohnen und Linsen) sowie Obst ersetzen. So lange man eine Vielzahl
pflanzlicher
Nahrungsmittel in ausreichender Quantität zu sich nimmt, um sein
Gewicht zu
erhalten, wird dem Körper eine große Proteinmenge
zugeführt.
Referenzen
1)
Position
of the American Dietetic Association: Vegetarian Diets. J Am Diet Assoc
1988;88:351-5.
2)
El
Nahas AM, Coes GA. Dietary treatment of chronic renal failure: ten
unanswered
questions. Lancet 15 March
1986:597-600.
3)
Pellet PL. Protein requirements in humans. Am J
Clin Nutr 1990;51:723-37.
4)
Committee
on Diet, Nutrition, and Cancer of the National Research Council. Diet,
Nutrition, and Cancer. Washington, DC, 1982.
5)
Zemel MB.
Calcium utilization:
effect of varying level and source of dietary protein. Am J
Clin Nutr
1988;48:880-3.
6)
Sherman
HC. Calcium requirement in man. J Biol Chem 1920;44:21.
7)
Hegsted
DM. Calcium and
osteoporosis. J Nutr 1986;116:2316-9.
8)
Robertson
WG, Heyburn PJ, Peacock M,
Hanes FA, Swaminathan R. The effect of high animal protein intake on
the risk
of calcium stone-formation in the urinary tract. Clin Sci 1979;57:285-8.
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